freihaendig

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RÄUME

Ein Raum, in dem offensichtlich ein Konzert stattgefundne hat. Ebenerdig. Die Jalousien vor den großen Fenstern sind nicht ganz bis zum Boden heruntergelassen, so dass ich draußen Füße und Waden sehe, Anzugshosenwaden, Männerschuhe. Musikinstrumentenkoffer warten darauf, in einen Bus eingeladen zu werden.

Ich bin gerade aufgewacht auf einer Matratze, die mir den Blick durch den Jalouisienspalt gewährt. Ob die da draußen so viel von mir sehen wie ich von denen? Ich will nachhause. Dazu muss ich aufstehen und mich anziehen. Ich stehe auf, nehme Slip und Büstenhalter vom Boden und in dem Moment klopft es an der Tür. Ich ziehe mir schnell Jeans und Pulli über, Slip und BH noch in der Hand. Einer der Männer von draußen schließt die Tür auf, tritt ein. Groß, schlank, schmales, bleiches Gesicht, dunkle, lange, nach hinten gegelte Haare. Dunkler Anzug, weißes Hemd. Lächelt. Wollte sich nur vergewissern, dass ich ok sei. Gibt mir einen Programmflyer seiner Band. Er würde sich freuen, wenn ich zu einem der nächsten Konzerte käme. Ohja, gern, mal schaun, wo ich wann bin, antworte ich.

Wir gehen zusammen auf die Straße, verabschieden einander. Den andern Musikern winke ich zu und wende mich zum gehen.

S. und ich haben ein riesiges Bett in unserer 2-Zimmer-Wohnung. Drei Menschen können sich auf dem Bett ausbreiten, ohne sich zu berühren. Wir liegen zu dritt. S., ich, und in der Ecke oben rechts B. B. ist über Nacht geblieben. Wir haben oft, fast täglich, Gäste, und wer bleiben will, der bleibt.

B. ist eine ehemalige Terroristin, schon im ersten Jahr der von ihr mitgegründeten Stadtguerilla ist sie verhaftet worden, wurde nach drei Jahren entlassen, machte nicht in der Stadtguerilla weiter, lebte lange Zeit im Ausland. Sie spricht manchmal öffentlich über ihre Zeit des Kampfs und die Genossinnen und Genossen, die nicht ausgestiegen sind. Ich hatte ihr einmal zugehört und war gespalten. Die Frau war mir sympathisch, einiges, was sie sagte, konnte ich nachvollziehen. Doch noch
immer war sie nicht bereit, bei allem, was es auch meiner Ansicht nach, indes politisch, zu bekämpfen gegolten hätte die Absurdität der bewaffneten und blutigen Mission ihrer Gruppe zu erkennen und zu kritisieren. Die Genossinnen und Genossen blieben Genossinnen und Genossen für sie, auch post mortem könne man sie nicht "verraten".

Nun liegt sie hier in unserem Bett und wendet sich mir zärtlich zu. Nicht erotisch, eher kindlich, empfinde ich ihre Zärtlichkeit und staune darüber, dass diese mir nicht unangenehm ist. Was empfinde ich für B? Mitleid? Sympathie? Ein Gefühl, wie gegenüber einem Kind, dass nicht begreift, was es tut und tat?

S. wacht auf. Ich küsse ihn und flüstere ihm ins Ohr: Das ist B, die mit uns im Bett liegt. Erwähne bitte nicht, dass ich an einem Buch über ihre Gruppe arbeite. Kein Wort davon! S. flüstert zurück uns versucht mich aufzuziehen, indem er mir den Namen von B's Kampfgenossinnen zusäuselt.

Am Abend ist B. noch bei uns. An unserem enorrm langen Esstisch sitzen um sie herum viele mir unbekannte Gäste. S. stellt mich einer etwas untersetzen Frau mit schütterem Haar vor, die am Ende des Tischs sitzt. Sie wird heute Abend einen Vortrag halten über vier verschiedene Formen der Apnoe, die sie allesamt mit ihren lateinischen Namen ausfsagt. Das seien Atemaussetzer während des Schlafs, die mitunter gesundheitsschädlich seien. Dann sind Sie also eine Schlaf-Expertin, sage ich, ihre Hand schüttelnd. Naja, geht so, antwortet sie.

Später am Abend stehen wir in Grüppchen, eine beredte Gesellschaft. Ein Mann, Mitte Dreißig, stellt sich mir vor. Clubbesitzer sei er und lädt mich ein, mal vorbeizuschauen. Auf dem Programm-Flyer lese ich Termine bis Mai, jetzt ist Januar. Schön, sage ich, vor allem der Weitblick bis in den Mai. Der Bandmann von gestern gesellt sich zu uns. Ja, das beneide er an seinem Kollegen, sagt er. Er bekomme es für seine Band einfach nicht hin, Termine für mehr als zwei Monate im Voraus zu machen. Mein Blick fällt auf einen Programmpunkt, der als "Jüdische Alternative für das Maifest" beworben wird. Ich möchte dazu etwas fragen, bremse mich aber, will mich den beiden erst vorsichtig nähern.
30.1.13 10:40
 


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