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Aus dem Zettelkasten

Gerade auf Deutschlandradio Kultur ein Porträt des Künstlers Christoph Niemann gehört. Er sagte, wenn man die Geduld, die man brauche, um nach 149 verworfenen Versuchen weiter am Schreibtisch zu bleiben, bis der 150. Versuch gelinge, - wenn man diese Geduld "Talent" nennen würde, dann habe er Talent. Gleich gegoogelt mit ixquick gesucht und für sehenswert befunden: Sein Blog in der New York Times. http://niemann.blogs.nytimes.com/

(Notiz v. 24.04.2012)

18.8.13 10:10


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ANONYME KÜNSTLER

Nein, keine Selbsthilfegruppe -- einfach ein überzeugendes Ausstellungskonzept:

Anonyme Zeichner

Etwaig vorbeispazierenden Künstlerinnen und Künstlern zum Mit- und Nachmachen empfohlen. Für dieses Jahr ist die Bewerbungsfrist schon vorbei. Doch nächstes Jahr gibt's wieder eine.

Sollte mich mal eine längere Phase des Gesünderseins beglücken, werde ich zur Ausstellungseröffnung am 24. März im Tiergarten sein. Sehen wir einander vielleicht dort?
15.3.13 11:35


RÄUME

Ein Raum, in dem offensichtlich ein Konzert stattgefundne hat. Ebenerdig. Die Jalousien vor den großen Fenstern sind nicht ganz bis zum Boden heruntergelassen, so dass ich draußen Füße und Waden sehe, Anzugshosenwaden, Männerschuhe. Musikinstrumentenkoffer warten darauf, in einen Bus eingeladen zu werden.

Ich bin gerade aufgewacht auf einer Matratze, die mir den Blick durch den Jalouisienspalt gewährt. Ob die da draußen so viel von mir sehen wie ich von denen? Ich will nachhause. Dazu muss ich aufstehen und mich anziehen. Ich stehe auf, nehme Slip und Büstenhalter vom Boden und in dem Moment klopft es an der Tür. Ich ziehe mir schnell Jeans und Pulli über, Slip und BH noch in der Hand. Einer der Männer von draußen schließt die Tür auf, tritt ein. Groß, schlank, schmales, bleiches Gesicht, dunkle, lange, nach hinten gegelte Haare. Dunkler Anzug, weißes Hemd. Lächelt. Wollte sich nur vergewissern, dass ich ok sei. Gibt mir einen Programmflyer seiner Band. Er würde sich freuen, wenn ich zu einem der nächsten Konzerte käme. Ohja, gern, mal schaun, wo ich wann bin, antworte ich.

Wir gehen zusammen auf die Straße, verabschieden einander. Den andern Musikern winke ich zu und wende mich zum gehen.

S. und ich haben ein riesiges Bett in unserer 2-Zimmer-Wohnung. Drei Menschen können sich auf dem Bett ausbreiten, ohne sich zu berühren. Wir liegen zu dritt. S., ich, und in der Ecke oben rechts B. B. ist über Nacht geblieben. Wir haben oft, fast täglich, Gäste, und wer bleiben will, der bleibt.

B. ist eine ehemalige Terroristin, schon im ersten Jahr der von ihr mitgegründeten Stadtguerilla ist sie verhaftet worden, wurde nach drei Jahren entlassen, machte nicht in der Stadtguerilla weiter, lebte lange Zeit im Ausland. Sie spricht manchmal öffentlich über ihre Zeit des Kampfs und die Genossinnen und Genossen, die nicht ausgestiegen sind. Ich hatte ihr einmal zugehört und war gespalten. Die Frau war mir sympathisch, einiges, was sie sagte, konnte ich nachvollziehen. Doch noch
immer war sie nicht bereit, bei allem, was es auch meiner Ansicht nach, indes politisch, zu bekämpfen gegolten hätte die Absurdität der bewaffneten und blutigen Mission ihrer Gruppe zu erkennen und zu kritisieren. Die Genossinnen und Genossen blieben Genossinnen und Genossen für sie, auch post mortem könne man sie nicht "verraten".

Nun liegt sie hier in unserem Bett und wendet sich mir zärtlich zu. Nicht erotisch, eher kindlich, empfinde ich ihre Zärtlichkeit und staune darüber, dass diese mir nicht unangenehm ist. Was empfinde ich für B? Mitleid? Sympathie? Ein Gefühl, wie gegenüber einem Kind, dass nicht begreift, was es tut und tat?

S. wacht auf. Ich küsse ihn und flüstere ihm ins Ohr: Das ist B, die mit uns im Bett liegt. Erwähne bitte nicht, dass ich an einem Buch über ihre Gruppe arbeite. Kein Wort davon! S. flüstert zurück uns versucht mich aufzuziehen, indem er mir den Namen von B's Kampfgenossinnen zusäuselt.

Am Abend ist B. noch bei uns. An unserem enorrm langen Esstisch sitzen um sie herum viele mir unbekannte Gäste. S. stellt mich einer etwas untersetzen Frau mit schütterem Haar vor, die am Ende des Tischs sitzt. Sie wird heute Abend einen Vortrag halten über vier verschiedene Formen der Apnoe, die sie allesamt mit ihren lateinischen Namen ausfsagt. Das seien Atemaussetzer während des Schlafs, die mitunter gesundheitsschädlich seien. Dann sind Sie also eine Schlaf-Expertin, sage ich, ihre Hand schüttelnd. Naja, geht so, antwortet sie.

Später am Abend stehen wir in Grüppchen, eine beredte Gesellschaft. Ein Mann, Mitte Dreißig, stellt sich mir vor. Clubbesitzer sei er und lädt mich ein, mal vorbeizuschauen. Auf dem Programm-Flyer lese ich Termine bis Mai, jetzt ist Januar. Schön, sage ich, vor allem der Weitblick bis in den Mai. Der Bandmann von gestern gesellt sich zu uns. Ja, das beneide er an seinem Kollegen, sagt er. Er bekomme es für seine Band einfach nicht hin, Termine für mehr als zwei Monate im Voraus zu machen. Mein Blick fällt auf einen Programmpunkt, der als "Jüdische Alternative für das Maifest" beworben wird. Ich möchte dazu etwas fragen, bremse mich aber, will mich den beiden erst vorsichtig nähern.
30.1.13 10:40


Septemberregen, Hamburg.

Werbung in der Hamburger U1 (ich fahre vom Hauptbahnhof Richtung Lattenkamp) --
"Frischverliebt?" auf rotem Grund wirbt für eine Markthalle oder sowas - Da sei ALLES FRISCH.

Ich lese "FISCHverliebt" und "Alles FISCH".

Im Pöselsdorfer Einkaufszentrum bekanntes Gesicht --neben schlanker langer Frau mit schlanken langen blonden Haaren - es ist ein...

...Fußballer? Ein deutscher Soul-Sänger? Ein Moderator von Song-Contest-Shows? Nein, ein Schauspielerwieheißternochgleich! Nichtjürgenvogel, aber auch schon lichtes Haar....Bleibtreu, ja genau: Moritz Bleibtreu, der den Andreas Baader gespielt hat in diesem RAF-Action-Film, der Verfilmung des Action-Buchs (Der Name zum Gesicht fällt mir erst jetzt ein und die Baader-Rolle, jetzt, wo ich das aufschreibe und der Schaffner die Elina Garanca, die im Programm der Deutschen Bahn singt, sehr angenehm übrigens, unterbricht - also die Sängerin angenehm, der Schaffner aber auch nicht unangenehm.)

Jedenfalls erreichen wir gleich LudwigsLUST, als ich mich darüber freue, dass ich mich trotz übergroßer Müdigkeit dazu überwunden habe, Erinnerungen des heutigen Hamburgtags zu notieren....und mir der Name zu dem Gesicht im Pöselsdorfer Einkaufszentrum einfällt. Das ruhigste, entspannteste, kleinste und am angenehmsten klimatisierte, edelste Einkaufszentrum, das ich je betreten habe. Mit einem Café Balzac, diese Café-Kette, die WLAN verspricht. Das aber nicht funktioniert heute auf meinem Netbook. Ebensowenig wie meine Handys Empfang hätten. Dadurch entspannte 1,5 Stunden, die ich größtenteils damit verbringe (wenn ich mich nicht gerade davon überzeuge, dass mein Browser einfach nicht willens ist, sich auf das angebotene freie Internet einzulassen, und mich wieder kostbare Zeitbruchstücke mit dem Versuch, E-Mails zu checken beschäftige), -- größtenteils damit verbringe, Ansichtskarten aus Israel zu schreiben.

Seit zwei Wochen bin ich von meiner 5wöchigen Israel-und Selbst-Erkundung zurück. Einige Ansichtskarten habe ich dann doch noch in der ersten Woche nach der Rückkehr in Berlin eingeworfen, einige auch dann erst geschrieben - und einige eben nun in Hamburg in den 1,5 h ohne Internet und Handy-Empfang, nach drei Gesprächsterminen, im Café Balzac versandfertig gemacht und an der Hamburger Hauptbahnhof-Baustelle in den Postkasten geworfen.

Bleiben immer noch eine Handvoll in Berlin zu schreiben und einzuwerfen. Vergebt mir, meine Freunde!

Da war noch was, an das ich mich erinnern wollte. Eine komplementäre Fisch/Liebe/Hamburg-Werbung? Schade, vergessen.

Jedenfalls. So entspannt es da auch war, im Pöselsdorfer Einkaufszentrum, es ist kein Ort, den ich mag. Monokultur-Milieu, zu dem ich nun einfach nie gehören werde.

Elina Garanca hörte ich heute zum ersten Mal.
25.9.12 12:23


Leben heute. Skizzen fiktiver Figuren.

I.

Eine in der nichtakademischen Öffentlichkeit unbekannte Sozialphilosophin schrieb in den 80er Jahren viel zum Recht auf Muße, zur Anerkennung der nichtbezahlten Arbeit und Wertschätzung von Tätigkeiten, die mit Leistung nichts zu tun haben. Sie finanzierte ihr Leben mit Lehraufträgen zu diesem Thema, als Dozentin ohne Festanstellung. Auf Mittelkürzungen ab Mitte der 90er reagierte die Universität mit Einsparungen von Lehraufträgen. Die in der Öffentlichkeit unbekannte Sozialphilosophin kam in Bedrängnis, finanziell gesehen. Zeitgleich eingetretene besondere private Umstände, - ich könnte auch sagen: ihre Mutter starb und es gab in der Familie niemanden außer ihr, der sich um den pflegebedürftigen Vater kümmern hätte können – also ihres dementen Vaters wegen zog die Sozialphilosophin, die sich bislang mit dem Recht auf Muße und der Anerkennung nichtbezahlter Arbeit und Wertschätzung von Tätigkeiten, die nichts mit Leistung zu tun haben, ihren Lebensunterhalt verdiente, in ihre Geburtststadt, in der es auch eine Universität gab, wenn auch eine kleine, in der Öffentlichkeit wenig beachtete Universität.
An der kleinen, in der Öffentlichkeit wenig beachteten Universität in der kleinen, von der inländischen wie ausländischen Öffentlichkeit wenig beachteten Stadt, belegte die Sozialphilosophin eine vom Arbeitsamt, wie es damals noch hieß, bezuschussten Aufbaustudiengang im Fach Gerontologie, der Wissenschaft vom Altern.

Noch bevor die Sozialphilosophin, die nun Gerontologie studierte, ihr Diplom erhielt, starb ihr Vater. Über die letzten Monate mit ihrem Vater wäre viel zu sagen, das wertvoller wäre als ein Diplom.

Was die Sozialphilosophin, die sich mit Schreiben und Reden über das Recht auf Muße, über die Anerkennung der nichtbezahlten Arbeit und Wertschätzung von Tätigkeiten, die mit Leistung nichts zu tun haben, heute macht?

Neben einer Teilzeitarbeit im Seniorenheim als gerontopsychologische Betreuerin schreibt sie regelmäßig für eine Fachzeitschrift und hält Seminare zu den Themen Demenz, Altern, Sterben. Eine 70-Stunden-Woche, unter der ihre Gesundheit un ihre Freundschaften leiden. Anders kann sie ihr Leben zurzeit nicht finanzieren.

II.

Ein Jungakademiker, finanzierte sich, bevor ihn seine Krankheit erwerbsunfähig machte, sein Leben abwechselnd mit Jobs im PR-Bereich und wissenschaftlicher Projektarbeit - nicht schlecht bezahlt, dafür aber ganz ohne Absicherung. Seit er krank ist, kann er nicht nur nicht mehr sein Leben selbst finanzieren, sondern auch mit seinem Körper keinen Sport mehr treiben. Er hat sich, passend zu seiner aktuellen Lebenssituation, eine neue Sportart gesucht: sparen. Er weiß die Preise von Margarine, H-Milch, Buttermilch, Joghurt, dem jeweils günstigsten Käse, Kaffee, Brot, Nudeln, Reis und Thunfisch in der Dose in den fünf nächst gelegenen Supermärkten auswendig, er löst nicht abgestempelte Briefmarken von der Infopost, die er in seinem Briefkasten findet und an der ihn außer den Briefmarken nichts interessiert, er setzt sich im Winter in die Bibliothek, um zuhause weniger Heizöl zu verbrauchen und manchmal, wenn er sich besser fühlt, geht er auf Tagungen, die von Stiftungen organisiert werden, daher keinen Eintritt kosten - dafür gibt es Essen und Trinken gratis.

Heute freut er sich über 120 „free-credits“, über die ihn ein E-Mail informiert. Für neun „free-credits“ kann er eine SMS verschicken. Die free-credits bekommt er dadurch, dass er auf einer Website kostenlos unterschiedlichste Kataloge bestellt – „XXL für starke Kids“ - der Spezialkatalog für übergewichtige Kinder, Küchenmöbel, Damenwäsche, „Alles was Ihr Baby braucht“. Der erwerbslose Jungakademiker hat eine Flatrate. Die free-Credits kostet ihn außer Zeit und einer höheren zum-Altpapiercontainer-Gang-Rate tatsächlich nichts. Manchen Katalog auf Hochglanz-Paper wirft er nicht gleich weg. Sein aktueller Lieblingskatalog ist der von „Zoo Zajac“ – alles für Tierfreunde, von der Zeckenzange bis zum Aquarium und wieder zurück. Da kann man so schönes Geschenkpapier daraus basteln.
Jetzt antwortet er erstmal auf die Geburtstagseinladung seiner Nichte. Per SMS.

(Vor ziemlich genau sechs Jahren geschrieben.)
13.4.12 15:05


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